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Saalhauser Bote Nr. 18, 1/2006
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Flucht und Vertreibung vor 60 Jahren

Der Saalhauser Bote im Gespräch mit Frau Traudel Pieper, Frau Friedel Zimmermann und Herrn Pfarrer Eugen Hillmann zum Thema:
von F.W. Gniffke

Als ich Herrn Pfarrer Hillmann vor kurzem zur Terminabsprache anrief, fragte er mich: "Meinen Sie denn, dass das noch Sinn macht, über dieses Thema nach so langer Zeit zu sprechen?" Ich erinnerte ihn daran, dass wir in den letzten beiden Ausgaben des Saalhauser Boten an Krieg und Kriegsende vor 60 Jahren mit verschiedenen Beiträgen gedacht und erinnert haben. Im März 1946 kam bekanntlich eine große Gruppe von Vertriebenen aus dem Glatzer Bergland und anderen Vertreibungsgebieten in Saalhausen an und fand hier eine neue Heimat. Viele unserer Leser haben diese Ankunft nur vage in Erinnerung und viele(vor allem jüngere) können sich gar nicht diese Situation der Ankommenden und der "Aufnehmenden" vorstellen, als nämlich in unserem Ort zu den schon vorhandenen ausgebombten Städtern noch eine Gruppe von Vertriebenen hinzu stieß. Diese galt es unter zu bringen, mit dem Nötigsten zu versorgen und ihnen eine Bleibe und Arbeit zu besorgen. Dies alles wollen wir im Interview ansprechen. Wir wollen mit diesen Beiträgen wach halten, dass Kriege immer grausam sind und schreckliche Folgen nach sich ziehen. Wir wollen aber auch deutlich machen, dass es viele Einzelschicksale waren. Wir wollen den Verlust verdeutlichen, aber auch den Umgang mit dem Verlust und natürlich den Aufbau und Neuanfang aufzeigen.



Beim Interview v. l. n. r.: Herr Pfr. Eugen Hillmann, Frau Friedel Zimmermann, Frau Traudel Pieper u. Friedrich W. Gniffke

Im Hotel Pieper hatten wir uns am 15.02.2006 zum Interview getroffen. Beim gemeinsamen Mittagessen lief das Tonbandgerät noch nicht mit und schon hier wurde so manche Erinnerung im Gespräch wieder wach.

Wir, das waren Frau Traudel Pieper (Fr. P.) Frau Friedel Zimmermann (Fr. Z.), Herr Pfarrer Eugen Hillmann (Pfr. H.) und der Saalhauser Bote (S.B.), Da wir das Tonband dieses Interviews archivieren werden, begannen wir mit kurzen persönlichen Angaben:

Fr. P.:

Ich heiße Edeltraud Pieper, geb. Loske. Geboren wurde ich in Walditz in der Grafschaft Glatz. Ich bin 1946 hierher gekommen, vertrieben, nicht geflohen. Man hat viele Erinnerungen. Unsere schönsten Erlebnisse sind unsere Treffen alle zwei Jahre. Ich wohne in unserem Hotel in Gleierbrück.

Fr. Z.:

Mein Name ist Elfriede Zimmermann, geb. Hein. Ich bin ebenfalls in Walditz geboren. Mit Traudel ging ich dort zur Schule und dann sind wir gemeinsam vertrieben worden. Wir beide waren knapp 16 Jahre alt.

Pfr. H.

Mein Name ist Pfarrer i. R. Eugen Hillmann. Ich bin 1930 in Schnellau bei Bad Kudowa geboren. Zur Zeit der Vertreibung war ich genau 16 Jahre jung. Der persönliche Lebensweg war der: Über die Kreisstadt Glatz wurde ich genau wie die beiden Damen ausgewiesen. Wir wurden in Viehwaggons verladen und waren unter unsäglichen Bedingungen 8 Tage unterwegs. Wir kamen am 30. März 1946 in Saalhausen an. Der Zug fuhr bis Siegen und dort wurden wir auf Lastwagen verladen und auf die Dörfer des Sauerlandes verteilt. Mit meiner Mutter und meiner Schwester kamen wir hier an, während der Vater noch in russischer Gefangenschaft war. Genaueres wussten wir natürlich da noch nicht. Ich wohne jetzt, nach meiner Pensionierung als Priester aus der Diözese Limburg, im Elternhaus, das meine Eltern damals hier mit viel Kraft, Eigenarbeit und unter großen Anstrengungen und Entbehrungen gebaut haben.

S.B.:

Nach diesen Angaben zur Person möchte ich Sie bitten, doch einmal gemeinsam Erinnerungen an Ihre Orte und die Zeit vor der Vertreibung zusammen zu tragen. Die Orte Walditz und Schnellau lagen etwa 30km auseinander. In erster Linie wollen wir uns an die Zeit des Zusammenbruches erinnern und wie es zur Flucht kam.

Fr. P.:

Mein schlimmstes Erlebnis, das ich als Kind nicht ganz begriffen habe, war die Tatsache, dass mein Vater so früh umgekommen ist. Meine Mutter war Schneiderin und die Frauen kamen nachts zu ihr, weil man über Tag nicht zu der Frau eines Mannes gehen konnte, der beim Reichsbanner war. (Das Reichsbanner war ein Veteranenverband, in dem Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkrieges ihre Kriegserfahrungen mit ihrem Eintreten für die Republik verbanden. Seine Hauptaufgabe sah das Reichsbanner somit in der Verteidigung der Weimarer Republik gegen Feinde aus dem rechts- und linksextremen Lager.) Meine Mutter hat uns Kindern eins vorgelebt: Nie sollst du Hass säen.

S.B.:

Da ja der Platz des Boten beschränkt ist, einigten wir uns darauf, vieles zusammenzufassen.

Alle:

Schlimm waren nach dem Zusammenbruch die vielen Gerüchte. Wir waren ja von jeglicher Kommunikation abgeschnitten. Am 8. Mai 1945 erlebten wir fast ohne Kriegsschäden das Kriegsende. Die rote Armee setzte deutsche "Antifaschisten" als Treuhänder ein. Von Ihnen übernahmen im Juni 1945 die Polen die Verwaltung.

Fr.P. u. Fr.Z.:

Im Juni wurden wir das erste Mal ca. 15 km bis zum Ort Steine getrieben. Wahllos, keiner wusste wohin es gehen sollte, nichts durften wir mitnehmen. Nachts durften wir uns in Steine in Scheunen lagern. Es war plötzlich kein Pole, kein Wachmann mehr zu sehen. Wir haben versucht zu schlafen und sind dann nach kurzer Beratung wieder zurück in unseren Ort gelaufen. Wir waren Freiwild geworden. Dies hatte mit dem Befehl zu tun, den der Bevollmächtigte der polnischen Regierung für den Bezirk Glatz gegeben hatte



Pfr.H.:

Ich möchte auch einmal noch kurz zurückblenden auf den 8./9.Mai 1945. Das war auch für uns das entscheidende Datum in Schnellau in unserem Dorf. Vater war ja weg und nur meine Mutter und meine Schwester wohnten in unserem Haus, in dem wir ein Geschäft betrieben. Jetzt kamen die Russen einmarschiert. Es war ja nichts zerstört worden, alles war in bester Ordnung. Aber hinter der tschechischen Grenze, wir wohnten nur 1km davon entfernt, hatten sich ein paar letzte SS-Einheiten zusammengetan und lieferten sich ein Scharmützel. Wir bekamen es dadurch mit der Angst zu tun, dass sich die Russen an uns rächen würden. Wir haben alle gebetet. Jeden Abend liefen wir in die Kirche und beteten einen Rosenkranz.

Fr.Z.:

Das stimmt, es wurde viel gebetet in der Zeit der Ungewissheit. Wie oft lagen wir auf den Knien und beteten und flehten, dass uns nichts passierte.

Pfr.H.:

Dann kamen die Russen an. Die Wehrmacht musste zur Entwaffnung über die Grenze ziehen, aber davon möchte ich nicht weiter erzählen. Wir haben uns nur gefragt, wie kann das deutsche Militär seine Waffen in der Tschechei abgeben, in dem Land, dessen Bevölkerung man soviel Leid angetan hatte. Die Waffen könnten im Hass gegen uns gerichtet werden. So war es dann ja auch später. Es ist ganz schlimm geworden.

Die SS hatte, wie ich schon sagte, noch zurückgeschossen, aber die Russen kamen und besetzten unser Elternhaus, indem wir bis zu letzt ein Lebensmittelgeschäft führten. Unsere Fahnenstange wurde gleich gesehen und benutzt, so dass aus unserem Haus eine Kommandantur wurde. Wir hatten sehr viel Unruhe, aber durch den Kommandanten auch gleichzeitig eine gewisse Sicherheit und Schutz vor der russischen Soldateska, die es oft zu Ausschreitungen kommen ließ, vor allem dann, wenn sie Wodka getrunken hatten. Ich bin sehr oft aus dem Bett geholt worden. Ich musste den Russen Wege zu Leuten zeigen, die bei uns um Hilfe anhielten. Bevor die Offiziere kamen, musste meine Schwester immer über eine Hühnerleiter steigen und sich verstecken, damit ihr keine Gewalt angetan wurde. Wir haben dann die Leiter weggezogen, damit sie dann im Hühnerstall (!) in Ruhe schlafen konnte.

Fr.P.:

Wir hatten im Oberdorf einen Wachdienst organisiert. Wenn irgendetwas war, pfiff der auf der Trillerpfeife und alle gaben Antwort. Dadurch ist in unseren Häusern nichts passiert.

Pfr.H.:

Dadurch dass die Offiziere ihr Hauptquartier bei uns hatten, passierte uns auch nichts, im Gegenteil, wir bekamen bei ihren Feiern oft noch etwas ab. Man lernte das Organisieren und so hatten wir eigentlich in der Zeit der russischen Besetzung eine ruhige und gute Zeit. Aber als die Polen kamen, da begann die eigentliche schreckliche Zeit. Mit den Russen konnten wir uns über die tschechische Sprache verständigen. Sie haben versucht, Deutsch zu lernen, und ich lernte einige Brocken Russisch. Einige Russen schenkten uns Bilder von sich zum Abschied und erinnerten an eine schöne gemeinsame Zeit. Später habe ich etwas Russisch gelernt und habe mir die Widmungen nochmals angesehen: "Zum Zeichen des Dankes für die schöne gemeinsam verlebte Zeit in Schnellau, Ihr Tschechnin, Capitan".

Fr.Z.:

Solange sie nüchtern waren, waren die Russen auch bei uns gutmütige Menschen. Die Russen waren auch mit der polnischen Miliz nicht einverstanden. Ich weiß es noch wie heute, da waren polnische Milizionäre zu meinem Papa gekommen und er sollte ihnen Wein herausgeben, den er gar nicht hatte. Sie schlugen ihn zusammen und ich bin aus dem Fenster heraus und schnell zur russischen Kommandantur geflitzt. Die Polen verschwanden sofort.

Pfr.H.:

Mittlerweile waren Einquartierungen von Polen erfolgt, und von diesem Augenblick an gehörte ihnen nun alles. Sie waren selbst von der Bug vertrieben worden und waren sofort darauf bedacht, dass sie alles für sich in Anspruch nahmen. Sie kannten keine Rücksicht und es war ein äußerst gespanntes Verhältnis, so dass wir einmal sogar beschlossen, in die Tschechei über die nahe Grenze zu fliehen. Wir haben ein paar polnische Milizsoldaten mit Gold und Schmucksachen bestochen, sie sollten uns in der Nacht über die Grenze bringen. Die Polen in unserem Hause durften nichts erfahren. Wir hatten Verwandte in der Tschechei und versprachen uns eine Verbesserung unserer Lage. Wir packten unsere wichtigsten Sachen in Köfferchen zusammen, kletterten nachts aus dem Fenster und sollten dann durch ein Waldgebiet und den Fluss Schnelle geführt werden. Treffpunkt war am Häuschen unserer Großmutter in Waldesnähe. Der Weg bis zu ihr war mit großen Ängsten von uns geschafft. Wer nicht kam, waren die Milizsoldaten. Sie hatten ja unseren Lohn und blieben weg. Uns blieb nichts anderes übrig, wir mussten zwischen drei und vier Uhr wieder unter großen Ängsten zu unserem Haus zurück und durchs Fenster wieder in die Wohnung klettern. Gegenüber den polnischen Hausbewohnern taten wir natürlich so, als ob nichts gewesen wäre.

Meine Schwester musste auf Grund ihrer Kenntnisse in Bad Kudowa auf dem Amt für die Polen arbeiten. Wir erhielten durch sie Gott sei Dank die nötigen Informationen. Rechtzeitig konnte sie uns sagen, wann die Vertreibung sein würde, und so konnten wir uns alle darauf einstellen. Alle, die sie kannte, warnte sie und wies darauf hin, dass wir alles zur Hand haben sollten, vor allem unsere Papiere. Die Leute haben das teilweise nicht geglaubt. Man berief sich auf das Recht auf Heimat und wollte einfach nicht an eine Vertreibung glauben. Alle setzten auf die Amerikaner große Hoffnungen, die das sicher nicht zulassen würden. Dann kam der 23. März 1946 und dieser Tag stimmte mit den Informationen, die meine Schwester hatte überein, und wir wurden im wahrsten Sinne des Wortes mit Knüppeln vertrieben.

Fr. P.:

Bei all dem Schrecklichen, das wir erleben mussten (mehrmalige Ausplünderung, Schläge, Wegnahme der Wohnung und des Besitzes) haben wir alles in allem noch Glück gehabt, das alles so ausgegangen ist. Ich zum Beispiel arbeitete in einem polnischen Konsum, weil man mich brauchte und ich bekam sogar Vergünstigungen bezüglich der Wohnung.

Fr.Z.:

Dass wir hierher nach Saalhausen gekommen sind, auch das war ein Glücksfall.

Pfr. H.:

Ich nenne das einfach Fügung Gottes. Nicht auszudenken, was aus uns z.B. geworden wäre, wenn unsere Flucht in die Tschechei geglückt wäre.

Fr.Z.:

Wir haben ja von dem Umgang der Tschechen mit den Deutschen erfahren. Es herrschte oft große Barbarei.

S.B.:

Sie alle haben ja betont, dass Sie eine schreckliche Zeit erlebt haben: Immer mussten sie auf der Hut sein, ständig gab es irgendwelche Gerüchte, die sogar einige Ihrer Mitbürger in den Selbstmord getrieben haben. Andere wurden bei Fluchtversuchen erschossen oder erschlagen. Beraubungen und Beschlagnahmungen standen auf der Tagesordnung. Wie war das nun bei der Vertreibung? Waren es mehrere Transporte? Wie ging das zu?

Alle:

Wir hatten alle den gleichen Sammelpunkt: Finanzamt Glatz.

Fr.P. und Fr.Z.:

Wir wurden nicht wie Herr Pfarrer Hillmann mit Knüppeln weggetrieben, bei uns ging es sogar geordnet zu. Wir mussten alle in Gladitz zum Felsenkeller und bestiegen dort Pferdefuhrwerke, die uns nach Glatz brachten. Eine offizielle Bekanntmachung gab es eigentlich nicht, auch wir hatten Informationen und daher die Koffer immer gepackt.

Pfr.H.:

Wir wurden getrieben mit dem Nötigsten, das wir auch immer schon gepackt hatten und wurden dann in denselben Zug (Viehwaggons) verladen. Alle hatten wir weiße Armbinden zu tragen. Heute weiß man, man wollte uns damit zu Freiwild deklarieren, um uns auch zu demonstrieren, was die Deutschen mit den Juden gemacht hatten. Unser Zug fuhr über Kohlfurt nach Deutschland und es war für uns ein ergreifendes Gefühl, als dort alle ihre weißen Armbinden wegwarfen, so dass der Bahnsteig weiß wie von Schnee aussah.

Alle:

Eine Woche waren wir unterwegs. Keine hygienischen Einrichtungen. Nahrung bestand nur aus dem, was wir mitgebracht hatten. Wegen der Magenprobleme kamen wir mit dem Wenigen aus. Verstopfungen und Krämpfe waren die Folgen, dass es keine geplanten Halts gab. Immer die Angst, ich darf den Zug nicht verlassen, sonst verliere ich meine Familie. Wie damals schon Oswald Wagner sagte: " Wir sahen zum Gott erbarmen aus". Man musste noch damit rechnen, dass betrunkene Soldaten in die Waggons eindrangen und uns das Letzte wegnahmen was wir noch hatten. So kam es, dass die Türen von innen verkeilt wurden, dass keiner eindringen konnte, aber auch keiner konnte raus. Der Transport war das reinste Chaos. Die einzelnen Zugstrecken konnten wir gar nicht verfolgen. Viele Verbindungen waren ja zerstört. Magdeburg haben wir erkannt. In Albersdorf gab es eine Entlausung.

Fr.P.:

Es war schon sehr schlimm! Aber eins ließ uns das alles ertragen: Wir waren nicht alleine. Unser Dorf ist ja geschlossen vertrieben worden.

Pfr.H.:

Im Gegensatz zu unserem Dorf, es ist mehr oder weniger auseinander gerissen worden. Das war das Schlimme. Ein Teil aus unserem Dorf ist wohl auch hierher gekommen. Die wurden leider Gottes nach Maumke in ein Zentrallager verfrachtet. Es war ein Auffanglager, in dem sie unter primitiven Verhältnissen sehr lange haben leben müssen. Ein anderer Teil des Dorfes kam nach Norddeutschland in die Diaspora.

Alle:

Unsere Odyssee endete in Siegen. Ein Stück in Westdeutschland konnten wir sogar in Personenwagen fahren. Von Siegen aus wurden wir auf Lastwagen verladen und in verschiedenen Dörfern des Sauerlandes wieder abgeladen. Auch hier wieder die Ungewissheit: Wo sind wir? Wie werden wir aufgenommen? Können wir hier bleiben? Bleiben wir zusammen? Fragen über Fragen.

Pfr.H.:

Wir wurden vor dem Hause Voss (Landhotel Voss) abgeladen und mussten sehr lange warten, was wohl passiert. Da kam dann Frau Voss und sagte: "Mein Mann ist noch nicht zurück aus der Gefangenschaft in England. Ihr könnt zunächst einmal in der Gastwirtschaft Unterschlupf finden." So konnten wir anfangen.

Fr.Z.:

Mit uns hielt der Lastwagen genau vor Schmitten (Hotel Rameil). Der damalige Bürgermeister Harnacke (von der engl. Militärregierung als Bürgermeister eingesetzt) sagte zu Paul Rameil, dem Vater von Benno: "Paul, du kannst dir die achtköpfige Familie schon mal mit rein nehmen. Wir konnten "einmarschieren" und haben dann 8 Tage lang jeden Mittag unseren gedeckten Tisch bekommen.

Fr.P.:

Wir kamen bei Rohleders unter, zwei Zimmer in unterschiedlichen Wohnbereichen. Ein Bett für zwei Personen, das war normal, anders ging es nicht. Hier blieben wir drei Tage. Oma und Tante bekamen bei Hamers in Milchenbach ein großes Zimmer mit zwei Betten und einem Kanonenöfchen und waren glücklich und zufrieden. Wir haben dann bei Schauerten (Tröster) auch in Milchenbach Platz gefunden.

Alle:

Die Saalhauser waren auf uns in keiner Weise vorbereitet, sie wurden regelrecht überrascht. Auch wir wussten wirklich nicht, wie es weitergehen sollte, wo wir landen würden. All das, was wir erduldet hatten, war ja nur uns bekannt und so war es für uns als junge Menschen manchmal enttäuschend, dass uns keiner bedauerte, sondern dass man uns sehr reserviert gegenübertrat. Aus heutiger Sicht kann man das verstehen: Wie sahen wir aus, welche Probleme stellten wir dar in einem Ort, in dem Krieg und Kriegsende einiges durcheinander gebracht hatte. Hinzu kam noch die Unkenntnis über das Gebiet, aus dem wir kamen. Nach Aussage des damaligen Bürgermeisters Harnacke war die dreifache Personenzahl in Saalhausen "gelandet", als man ihm vorher angekündigt hatte.

Forstsetzung in der nächsten Ausgabe


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