Saalhausen, Lennestadt Sauerland





Saalhauser Bote / Heimatstube Saalhausen
redaktion@saalhauser-bote.de
Haupt Menu: [Startseite] [Saalhauser Bote] [In Saalhausen zu finden] [Bildergalerien/Routen] [Links] [Kontakt/Impressum]
 03.06.2020
Neue Ausgaben
Archiv
Zum Artikel
Saalhauser Bote Nr. 18, 1/2006
Zurück Inhalt Vor

Fahrt nach Schlesien (1979)

Aus der Erinnerung aufgezeichnet
Von Rainer Lehrig

Im Sommer 1979 bin ich mit meiner Mutter nach Schlesien gefahren. Damals war ich 19 Jahre.

Wir fuhren mit einer Busreisegesellschaft von Beckum aus über Hannover, Helmstedt/Marienborn, Transitstrecke über den Berliner Ring, Cottbus vorbei nach Forst. Die Strecke Forst-Liegnitz (Legnica). Dort überholten wir eine Panje-Wagen auf der Autobahn, der in den 30er Jahren gebaut worden war. Meine Mutter erkannte im Bus eine alte Schulkameradin wieder. Als der Zotabarg (Zopten) in Sichtweite kam, wurden alte schlesische Lieder im Bus angestimmt.

Kirche Wang
Kirche Wang

Auf dem Markt in Liegnitz konnten wir uns mit einer alten deutschsprachigen Frau unterhalten. Dann ging es weiter Richtung Grafschaft Glatz. Die Stahlwerke und Kokereien in Waldenburg (Walbrzych) sahen aus wie vor dem Krieg - echte Umweltverpester.

Es ging weiter über Langenbielau und Reichenbach, durch das Eulengebirge nach Neurode (Nova Ruda).

Albendorf
Albendorf

(das schlesische Jerusalem)

Bei den folgenden Tagen weiß ich nicht mehr, in welcher Reihenfolge was passiert ist.

Mit dem Taxi fuhren wir zu einer Familie, der wir Geschenke von meinem Vetter aus Düsseldorf überbringen sollten. Wir wurden prompt zum Mittagessen eingeladen.

Die Frau war deutschstämmig und hatte einen Polen geheiratet. Im Garten begutachteten wir den Knoblauch, der oben zusammen-gebunden war, damit er besser gedeihen sollte. Mit dem Mann habe ich dann noch vor dem Mittag eine Flasche Wodka mit Bison geleert.

Auch mit dem Taxi ließen wir uns auf die Anhöhe über den acht Häusern fahren. Dort war eine Kolchose mit Geflügelzucht. In den acht Häusern war der Hof meiner Großeltern mütterlicherseits nur noch eine Ruine. Der Pole, der damals dort eingezogen war, war der Bürgermeister von Krainsdorf und damals sehr berüchtigt. Man hat ihm das Haus wohl in den 50er Jahren angesteckt.

Eim Zaugholse nonder
Eim Zaugholse nonder
Auf dem Lift zur Schneekoppe
Auf dem Lift zur Schneekoppe

Gegenüber im Hof meines Onkels lebte Veronika. Ihr kleiner Enkel war zu Besuch. Das Dach war mit Wellblech gedeckt. Als wir ins Haus kamen, lagen die Kohlen (so wie sie aus dem Berg kommen) im Flur. In der Wohnstube wurden Hühnerküken aufgepäppelt. In einer Ecke war ein Hausaltar mit dem Bild von Papst Karol Wojtyla (Papst Johannes Paul II).

Veronika mit Enkel
Veronika mit Enkel

Veronika bot mir Milch an, die ich dankend annahm. Sie ging hinaus in den Stall und molk mir frische Kuhmilch, die sehr gut geschmeckt hat.

Übers Bargla nach Krainsdruff
Übers Bargla nach Krainsdruff

Dann sind wir über den Schulweg meiner Mutter über das Bargla nach Krainsdorf gelaufen. Dort haben wir uns die Kirche und die alten Gräber angesehen.

Dann ging es am Schloss vorbei Richtung Zaughals. Nachdem wir den Zaughals runter waren, kehrten wir am alten Freibad vorbei nach Neurode zurück.

Einen Tag sind wir im Heimatort meines Vaters (Walditz) gewesen. Die Familie Kunisch konnte deutsch. Die haben wir mit zu Wanda genommen, die jetzt im Hof meines Vaters lebte.

Wanda stammte aus Galizien und wurde von den Russen aus Ihrer Heimat vertrieben. Damals hatten sie bei der Vertreibung meiner Eltern sogar noch Essen nach Glatz gebracht. Sie hatte eine verheirate Tochter in meinem Alter. Im Wohnzimmer stand noch der alte Kachelofen. Leider konnten wir das "Gold", das meine Großeltern am Giebel des Hauses vergraben hatten, nicht finden. Zum Abschluss waren wir noch bei Olbrichs Hof.

Einen Tag sind wir mit dem Bus ins Riesengebirge gefahren. Unter den Laubengängen von Hirschberg (Jelena(Hirsch) - Berg(Gora)) machte ich ein Foto von einem unglaublichen Auto. In Schreiberhau kaufte ich ein Schachspiel, das ich noch heute besitze.

Dann ging es zu der norwegischen Stabkirche Wang unterhalb der Schneekoppe. An der Talstation des Lifts zur Basis der Schneekoppe kaufte ich von Zigeunern einen Schafswollpullover, den ich auf der Schneekoppe gut gebrauchen konnte.

"Zufällig" trafen wir auch entfernte Verwandte, die in der DDR wohnten. Oben angekommen ging es weiter rauf bis zur Schlesier-Baude. Da ist die Grenze Schlesien - Tschechei. Sogar ein beinamputierter Mitreisender ist mitgekommen.

Ganz rauf bis zur Wetterstation oberhalb der Baumgrenze haben es die alten Leute natürlich nicht geschafft, obwohl ich gerne gegangen wäre. In den Gruben lag noch Schnee.

Zurück ging es durch Agnetendorf, wo Gerhard Hauptmann gelebt hatte, zurück nach Neurode.

Es folgte eine Rundreise. Wir besuchten die Bäder in Reinerz und Altheide. Das schwefelige Wasser hat mir aber nicht geschmeckt. Die Kuranlagen waren mit neuem Wellblech bedeckt. Eine Toilette musste man lange suchen.

Auch Albendorf (das schlesische Jerusalem) haben wir besucht. Die Kirche und die Anlagen sind wirklich sehenswert und werden von den sehr katholischen Polen auch gut im Schuss gehalten.

Wir kehrten entlang der Heuscheuer, auf die wir es leider nicht mehr geschafft haben, nach Neurode zurück.

Am letzten Tag vor der Abreise haben wir ein kleines Fest mit Tanz gefeiert. Ich war verwundert, dass ich nach einer Woche wieder perfekt schlesisch Platt sprechen konnte. Als Kind habe ich deshalb meinen Spitznamen bekommen (Körve/Kövke), denn zuhause hatte ich bis zum 10. Lebensjahr nur Platt gesprochen. Mit meinem Roller bin ich als Kind immer em de Korve gefohrn. Das fanden die anderen Kinder lustig.


Zurück Inhalt Vor

Diese Seite ist NICHT für einen speziellen Browser optimiert worden.

© 2004-2020 Heimatstube Saalhausen e.V., redaktion@saalhauser-bote.de