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Saalhauser Bote Nr. 32, 1/2013
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Was zieht mich nach Saalhausen?

von Ekkehard Piclum

Seit einigen Jahren lese ich regelmäßig den Saalhauser Boten und warte immer gespannt auf die nächste Ausgabe. Mit meiner Frau habe ich schon ein paar Mal in Saalhausen Urlaub gemacht; einmal sind Sohn, Schwiegertochter und Enkelin für ein paar Tage dabei gewesen.

Was zieht mich nach Saalhausen? Die Erinnerung an viele schöne Tage und das Kriegsende im April 1945. Ich heiße Ekkehard Piclum und bin am 29.09.1940 in Bochum geboren.

Meinen vierten Geburtstag habe ich in Saalhausen erlebt. Meine Mutter ist mit mir im Sommer 1944 zur Familie Hennes (Hamers-Niersten, Anm. d. Red.)gezogen. Vermittelt wurde das durch die Familie Surholt , die damals auf unserer Straße gegenüber wohnte, aus Sundern stammte und mit der Familie Hennes verwandt ist. Wann das genau war, weiß ich nicht, meine Mutter erzählte immer, dass der Umzug nach den ersten Bombenangriffen auf Bochum erfolgt sei. Der Umzug zurück nach Bochum muss in der Zeit zwischen dem 8. Mai 1945 und dem Monat Juni erfolgt sein.

An die Kämpfe in Saalhausen erinnere ich mich sehr genau. In den Wochen vor dem Kriegsende waren wir einmal auf dem Feld, als Tiefflieger angriffen. Meine Mutter und ich suchten Schutz in einem Zug, der auf den Gleisen stand. Als wir merkten, dass dieser Zug beschossen wurde, sind wir wieder rausgesprungen. Es hieß, es habe einen Toten gegeben.

Gegen Kriegsende mussten wir das Dorf verlassen, konnten aber nicht in den „Bunker”; es hieß, da seien schon die Russen drin und ließen keinen mehr rein. Meine Mutter und ich waren mit vielen anderen Menschen unter freiem Himmel und suchten irgendwie Schutz in Bodenvertiefungen. Meine Mutter hat mich immer mit ihrem Körper beschützt und ich fühlte mich immer geborgen und sicher. Als wir zurückkehrten, sah ich tote Menschen auf dem Gelände vor CafĂ© Heimes liegen. Das Haus von Wieses brannte lichterloh.

Später hieß es, die Amerikaner gehen von Haus zu Haus und durchsuchen alle Räume. Da habe ich zum ersten Mal so etwas wie Angst gespürt und gehofft, sie würden nicht zu uns kommen, weil der Eingang zu unserer Wohnung nicht zur Straßenseite lag. Das war natürlich eine vergebliche Hoffnung.

Als ein schwarzer Soldat in unser Zimmer trat, habe ich ihn mit erhobenem Arm und „Heil Hitler” gegrüßt. Meine Mutter hat sich vor mich gestellt, wurde aber mit dem Gewehr zur Seite geschoben. Der Soldat hat mich nur angelächelt und freundschaftlich die Wange getätschelt. Ob er etwas gesagt hat, weiß ich nicht. Ich kann mich auch nicht mehr erinnern, ob er mir sofort Schokolade geschenkt hat oder ob es andere Soldaten später auf der Straße waren. Jedenfalls habe ich irgendwann Schokolade bekommen.

Zu dem Hitlergruß ist es gekommen, weil meine Mutter mir ein paar Tage vorher eingeschärft hatte, unbedingt bei Respektpersonen diesen Gruß zu benutzen. Ich vermute, sie hat es aus Angst getan, als bei Heimes der Gefechtsstand errichtet wurde. Das Ende des Krieges haben meine Mutter und ich mit Erleichterung wahrgenommen.

Jahrzehnte lang habe ich nicht an diese Ereignisse gedacht. Erst als ich im Rentenalter war und einen Rückblick auf mein Leben gemacht habe, kamen mir diese Erinnerungen wieder. An die unbeschwerten Tage habe ich selbstverständlich auch sehr schöne Erinnerungen. Zum Glück gibt es hier keine dramatischen Ereignisse zu berichten. Unsere Versuche, auf einem Ferkel zu reiten oder die vereiste Lenne in Höhe von St. Jodokus zu überqueren, sind ohne nennenswerte Folgen geblieben, ebenso das Spielen im Heu einer Scheune oder das sommerliche Bad in der Lenne. An die Spiele im Kindergarten kann ich mich nicht mehr erinnern, nur daran, dass ich, als ich wieder in Bochum in einem katholischen Kindergarten war, nicht begreifen konnte, dass Jungen und Mädchen immer getrennt voneinander sitzen mussten; so etwas kannte ich aus Saalhausen nicht. Da es mir hier an Einsicht mangelte, wurde ich schnell vom weiteren Besuch ausgeschlossen.

Obwohl ich als Kind nur ein kurzes Jahr in Saalhausen war, fühle ich mich immer wieder wie zu Hause, wenn ich mit der Familie in Saalhausen bin. Lediglich die alte Bimmelbahn vermisse ich manchmal.

Meine Verbundenheit mit Saalhausen können Sie auch einem Gedicht entnehmen, was mein Opa 1944 zu meinem vierten Geburtstag gemacht hat.


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