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Saalhauser Bote Nr. 37, 2/2015
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Eine Spurensuche

im historisch bedeutsamen Gelände Burghügel, südlicher Lennearm und die Suche mit einer Sonde
von G. Pulte
Aus Blei gegossen:  Ein Ritter mit Pferd und eine Nachbildung des Eisernen Kreuzes. Das Eiserne Kreuz wurde in der preußischen Armee seit den napoleonischen Freiheitskriegen und später in der deutschen Armee als Auszeichnung verliehen
Aus Blei gegossen: Ein Ritter mit Pferd und eine Nachbildung des Eisernen Kreuzes. Das Eiserne Kreuz wurde in der preußischen Armee seit den napoleonischen Freiheitskriegen und später in der deutschen Armee als Auszeichnung verliehen

Am südlichen Rand des Ortes, unterhalb des Wiebern (heute Schützenplatz mit der Vogelstange), gab es einst einen Burghügel. Eine Burg in Saalhausen? Das wirft doch einige Fragen auf.

Zu deren Beantwortung kann man zunächst in der Chronik "Saalhausen, Beiträge zur Geschichte des Dorfes" von 1981 etwas finden. Auf Seite 31 ist ein Zitat aus dem Jahr 1878 zu lesen:

"Der Burghügel hat, wie sein zeitiger Besitzer als Augenzeuge noch berichten konnte, bis um das Jahr 1820 unter diesem Namen sich erhalten, ist dann aber mit dem anliegenden Graben zur Wiese planiert worden, nachdem ein aufstehendes Wäldchen von hohen Eichen- und Eschenbäumen gefällt war". Einen weiteren Beleg ergab vor wenigen Jahren die neuere Geschichtsforschung. Martin Vormberg, Archivar der Gemeinde Kirchhundem, konnte im Archiv des Barons von Fürstenberg in Arnsberg- Herdringen Jagdkarten aus Schloss Adolfsburg/Oberhundem abfotografieren und 2013 als Buch veröffentlichen (Herausgeber: Der Bürgermeister der Gemeinde Kirchhundem, Titel: Die Jagdbezirke von Schloss Adolfsburg, -Historische Ortsansichten und Landschaftselemente im Südsauerland um 1743/44).

Eisenkugel aus einer größeren Vorderlader Waffe, Durchmesser ca. 26 mm. Dieses frühneuzeitliche Projektil könnte aus dem 15. Jahrhundert stammen (laut Dr. Zeiler, LWL Archäologie Olpe).
Eisenkugel aus einer größeren Vorderlader Waffe, Durchmesser ca. 26 mm. Dieses frühneuzeitliche Projektil könnte aus dem 15. Jahrhundert stammen (laut Dr. Zeiler, LWL Archäologie Olpe).

Die Saalhauser Jagdkarte ist in das Jahr 1744 datiert. Eine Abbildung dieser Karte können Sie seit Anfang August 2015 auf den Eichenstelen an der Einmündung des Ohlströtkens in die Lenne am Entenweg in Saalhausen sehen. Martin Vormberg schreibt in dem Buch zur Jagdkarte: "Am Südrand des Ortes befindet sich die Flurbezeichnung auffn Borghövel mit dem ergänzenden Zusatz vormahls ein adlicher sitz. Dabei handelt es sich um einen interessanten Beleg für eine kleine Burganlage bzw. Motte, die hier für das 13. bis 14. Jahrhundert vermutet wird”. Noch einen Hinweis gibt uns die mündliche Überlieferung: Hermann-Josef Rameil (Lutze) berichtet von seinem Großvater, dass dieser ihm von Reutegräben im Schulten Hof unter dem Wiebern erzählte; Die Alten hätten diese Gräben noch gekannt. Interessant ist die Benutzung des Begriffs „Reutegraben”. Dieser ist auch in Gleierbrück geläufig für den Graben zwischen Deitfert und Ilberg, ebenso in Langenei. Offensichtlich bezeichnete man damit Altarme der Lenne.

Neubewertung der Stein und Holzfunde aus dem Jahr 2007

Im Licht der neuen Erkenntnisse aus der Saalhauser Jagdkarte 1744 muss man meiner Meinung nach die Stein- und Holzfunde neben der Lenne am Max-Lange-Weg neu bewerten. Bei Bauarbeiten für einen Abwasserkanal wurden dort 2007 gegenüber dem Haus Schauerte, Auf der Stenn 2, große Natursteine und Eichenrundhölzer ausgebaggert (siehe Saalhauser Bote Nr.22, Ausgabe 1, 2008). Die Eichenbaumstämme ließ ich in der Universität Köln dendrochronologisch untersuchen mit dem Ergebnis, dass man die Bäume 1718 gefällt hatte. Zunächst war es plausibel, die aufgeschichteten Steine und Hölzer im Untergrund für das Stauwehr der kurfürstlichen Mühle auf der heutigen Jenseite zu halten.

Ein Spinnwirtel aus Blei, 12. bis 15. Jahrhundert (Dr. Zeiler). Spinnwirtel wurden benutzt, um aus Schafwolle einen Faden zu formen, als es noch kein Spinnrad gab
Ein Spinnwirtel aus Blei, 12. bis 15. Jahrhundert (Dr. Zeiler). Spinnwirtel wurden benutzt, um aus Schafwolle einen Faden zu formen, als es noch kein Spinnrad gab
Eine Bleikugel, Durchmesser ca. 14 mm und ein Bleigeschoss aus Vorderlader Gewehren
Eine Bleikugel, Durchmesser ca. 14 mm und ein Bleigeschoss aus Vorderlader Gewehren

Die Jagdkarte von 1744 zeigt die Lage der Mühle jedoch eindeutig nordöstlich des Dorfes, heute Winterberger Straße 56, das Büro und Lager von Hartmut Börger. Hinzu kommt eine Notiz in der Chronik –Saalhausen, Beiträge zur Geschichte des Dorfes, 1981- auf Seite 104. Zu lesen ist dort im Jahr 1713 über die Mühlenpächterin Margarethe, Wittibe Henrichen Möllers zu Saalhausen: „…Weilen nun diese Wittibe besagte Mühle auf den Grundt neu erbauet und derwegen kein Nachlaß …”. Die Mühle ist also vor 1713 von Grund auf neu errichtet worden. Daraus lässt sich schließen, dass die Verlagerung der Mühle aus dem Ortskern (von der heutigen Jenseite) an den Ortsrand mit der Mühlschlacht in der Lennelust vor 1713 geschehen ist.

Danach war der südliche Lennearm, der bei Hochwasser zusätzliche Überflutungen auslöste, nicht mehr erforderlich.

Geschosshülsen und ein Projektil mit verformter Spitze durch den Aufprall aus dem 2. Weltkrieg
Geschosshülsen und ein Projektil mit verformter Spitze durch den Aufprall aus dem 2. Weltkrieg

Bei dem 2007 ausgebaggerten Steindamm von 1718/1719 dürfte es sich somit um das Bauwerk zur Abtrennung des südlichen Lennearms in Saalhausen handeln. Hieraus lässt sich wohl auch die Verwendung minderwertiger Eichenstämme erklären, die so in ein Stauwehr eher nicht verbaut worden wären. Für diesen „nur” Damm aus großen Steinen und Rundhölzern hielt man die krummen und teilweise schon zu Lebzeiten der Bäume angefaulten Stämme wohl für gut genug.

Mit dem Damm begann dann eine Reihe von Uferverbauungen im scharfen Bogen der Lenne gegenüber der Stenn. Dazu dürften auch die ca. 25m flussaufwärts ausgegrabenen Eichenstämme zu rechnen sein. Diese qualitätvollen Eichenstämme mit bis zu 291 Jahrringen datieren in das Fällungsjahr 1743.

Da die Lenne bei Hochwasser immer wieder durchbrach, errichtete Leopold Metten 1867 die heute noch bestehende, mächtige Bruchsteinmauer mit Unterstützung von Pferdegespannen vom Hof Stratmann auf der Stöppel, seinem Schwager. Seitdem nahmen die Überflutungen auf der Jenseite und in den Peilen merklich ab.

Die Suche mit einer Sonde

Wolfgang Poguntke, Ortsheimatpfleger in Elspe, sprach Anfang 2015 Friedrich Gniffke als den Vorsitzenden des Vereins Heimatstube Saalhausen an. Er interessierte sich für die Suche mit einer Sonde im Bereich des ehemaligen Burghügels in Saalhausen. Wolfgang Poguntke ist durch eine Bestätigung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, LWL-Archäologie für Westfalen, autorisiert. Vom Saalhauser Boten haben wir sein Anliegen gerne unterstützt und zunächst die Erlaubnis der Grundstückseigentümer eingeholt. Der Familie Illigens/Weber und der Familie Padt (westliches Nachbargrundstück) herzlichen Dank für die Zustimmung zur Suche.

Wolfgang Poguntke bei der Suche und Heinrich Würde
Wolfgang Poguntke bei der Suche und Heinrich Würde
Wolfgang Poguntke und Bernd Illigens mit Großneffe sehen sich ein Fundstück an
Wolfgang Poguntke und Bernd Illigens mit Großneffe sehen sich ein Fundstück an

Am 16. März 2015 war es dann soweit. Wolfgang Poguntke suchte das Gelände um den Burghügel weiträumig ab. Problematisch ist allerdings die Einebnung des Burghügels bereits um 1820. Außerdem wurde aus dem darüber liegenden Hanggelände 1970 noch einmal Boden über den 1820 planierten Bereich geschoben und zusätzlich mit Mutterboden von der Baustelle des Sportplatzes überdeckt.

Zahlreiche Granatensplitter aus dem 2. Weltkrieg
Zahlreiche Granatensplitter aus dem 2. Weltkrieg

Angrenzend ist allerdings noch die natürliche Bodenoberfläche erhalten. So konnten doch einige Funde gemacht werden, die Sie auf den Fotos sehen können.

Ein Modellauto (DKW 1950er Jahre?)
Ein Modellauto (DKW 1950er Jahre?)
und eine Plakette zum Tag der Arbeit 1935
und eine Plakette zum Tag der Arbeit 1935

Einen wichtigen Aspekt möchte ich noch erwähnen. Bei der Begehung des Burgplatzes sah man über eine Kahlfläche auf dem Bauerhagen bei Wilmes Hütte deutlich die Kuppe des Hohen Lehnbergs.

Es bestand also eine Sichtverbindung zwischen der Burg im Tal und der Wallburg auf dem Hohen Lehnberg.


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